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Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie
Direktor: Prof. Dr. J. Strauch

Wann ist eine ILP sinnvoll und wie funktioniert sie?

Die ILP ist derzeit das einzige Verfahren, mit dem eine Amputation oder Operation, die schwerwiegende Beeinträchtigungen in der Funktion der Gliedmaßen zur Folge hätte, verhindert werden kann.
Die Abkürzung ILP entstammt den Anfangsbuchstaben der englischsprachigen Bezeichnung "Isolated Limb Perfusion", zu deutsch isolierte Extremitätenperfusion. Bei dieser Operation wird ausschließlich das vom Tumor betroffene Bein oder Arm behandelt. Dazu wird die Durchblutung von Bein oder Arm über eine Herz-Lungen-Maschine umgeleitet und damit jeglicher Blutaustausch zwischen der Gliedmaße und dem Körperkreislauf unterbrochen. Dann kann die Behandlung (Durchflutung, Perfusion) der Gliedmaße mit den Medikamenten TNF-alpha (Tumor-Nekrose Faktor alpha) und Melphalan (Chemotherapeutikum) ausschließlich in dem isolierten Arm oder Bein erfolgen.

Wirkungsweise der ILP:
Die ILP wird unter "hyperthermen" Bedingungen durchgeführt. Dies bedeutet, dass die Temperatur der betroffenen Gliedmaße auf 38° - 40° Celsius erhöht wird. Auf diese Weise wird eine optimale Durchblutung des Tumors erzielt (sog. Shuntbildung), so dass die oben genannten Medikamente ihre volle Wirksamkeit entfalten können.
Während der 90 Minuten dauernden Perfusion hat TNF-alpha mehrere Effekte: Zum einen wird durch TNF-alpha die Aufnahme des Chemotherapeutikums Melphalan direkt in den Tumor stark erhöht. Damit erhöht sich die Zerstörung der Tumorzellen um ein Vielfaches. Zum anderen unterbindet TNF-alpha die Blutzufuhr in das Tumorgewebe und zerstört die Architektur der Blutgefäße des Sarkoms. Dies wird von einer schweren Entzündungsreaktion begleitet.
Diese Effekte führen dann innerhalb weniger Wochen bei über 70% der damit behandelten Patienten zumindest zu größten Teilen zum allmählichen Absterben des Tumors.

Eine ILP sollte bei folgenden Situationen unbedingt in Erwägung gezogen werden:

  • der Tumor ist weit fortgeschritten
  • der Tumor kann nicht mit dem erforderlichen Sicherheitsabständen entfernt werden
  • der Tumor kann nicht vollständig entfernt werden ohne dass eine schwere Beschädi-gung (Entfernung von Muskelgruppen, Nerven, Blutgefäßen usw.) oder sogar Ampu-tation droht
  • es handelt sich um ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) nach vorangegangenen Operationen
  • der Tumor ist bereits operiert worden, aber wurde nicht vollständig entfernt

Es ist wichtig zu wissen, dass die ILP die chirurgische Entfernung des Tumors generell nicht ersetzen kann. Sie ermöglicht aber durch die Zerstörung des Tumors eine Operation zu ei-nem späteren Zeitpunkt. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen chirurgischen Eingriff muss nun bei der Entfernung kein Sicherheitsabstand mehr eingehalten werden. Dadurch kann das betroffene Bein oder Arm meist vollständig erhalten werden.