Eine ursächliche Therapie mit Stillstand der Symptomatik oder Heilung ist weltweit nicht verfügbar, weder in der klassischen Schulmedizin noch durch alternative Therapieverfahren und ist auch nicht von finanziellen Ressourcen abhängig.
Die ALS ist dennoch eine behandelbare Krankheit. Man unterscheidet die sog. neuroprotektive Therapie, die eine Verlangsamung der Erkrankung erzielen soll sowie die pallaitivmedizinische Therapie mit Symptomkontrolle, also der Behandlung von ALS-bedingten Beschwerden und Behinderungen und der Verbesserung bzw. dem Erhalt der Lebensqualität.
Als neuroprotektive Therapie ist ein Behandlungsversuch mit Rilutek® indiziert. Es handelt sich hierbei um ein Medikament, das auf Grund klinischer Studien und der nachgewiesenen positiven Wirkung auf den Verlauf der Amyotrophen Lateralsklerose zur Behandlung dieser Erkrankung zugelassen ist. Die Skepsis auch ärztlicher Kollegen auf Grund des Preises des Medikamentes ist daher nicht gerechtfertigt, die Behandlung sollte bereits bei dem Verdacht auf das Vorliegen einer ALS begonnen werden (50mg: 1-0-1). Allerdings gibt es wenige Patienten, die Rilutek® nicht vertragen und zum Beispiel gastrointestinale Symptome wie Übelkeit und Inappetenz entwickeln, dann muss die Behandlung ausgesetzt werden.
Die therapeutische Wirkung von Vitamin E (alpha-Tocopherol) zeigt eine diskrete Verlangsamung der Erkrankung bei Einnahme von 1000 mg/Tag im frühen Verlauf der ALS. Vitamin E hat jedoch keinen Einfluss auf die mittleren und späten Erkrankungsphasen sowie das Überleben von ALS-Patienten (Desnuelle und Mitarbeiter, veröffentlicht in der britischen Fachzeitschrift „ALS“ im März 2001). Auch in der Dosierung von 5000 mg/Tag zeigte sich kein statistisch signifikanter Einfluss auf das Überleben von ALS-Patienten, so dass aktuell auf Grund dieser Studien keine Empfehlung für eine Vitamin-E-Behandlung gegeben werden.
Eine Behandlung von ALS-Patienten mit Lithium wird seit Jahrzehnten zur Behandlung der sog. motorischen Disinhibition (Zwangslachen und -weinen) durchgeführt. Ein Effekte auf den Krankheitsverlauf konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden. Auch die Behandlung mit Lithium kann daher zur Zeit zur Neuroprotektion nicht empfohlen werden.
Zur Behandlung einer motorischen Disinhibition ist die Lithium-Medikation jedoch eine etablierte symptomatische Therapieoption und nach Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses gerechtfertigt, jedoch empfehlen wir hier initial einen Therapieversuch mit z. B. Citalopram (siehe Symptomatische Therapie).
Der therapeutische Einsatz von Kreatinphosphat in Verbindung mit Riluzol konnte bisher keinen statistisch signifikanten Effekt auf das Überleben von ALS-Patienten erzielen. Die Behandlung mit Kreatin ist bei der ALS daher nicht angezeigt.