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ALS- und Motoneuron - Ambulanz
Ltd. Arzt: Prof. Dr. M. Tegenthoff

Diagnostik der ALS

Die Diagnose einer ALS wird auf Grund der klinisch neurologischen Untersuchung gestellt. Die Durchführung der zum Teil ausführlichen Zusatzdiagnostik dient dem Ausschluss anderer Erkrankungen, die mit einer ALS verwechselt werden könnten oder aber eine ALS ähnliche Symptomatik verursachen können (z. B. bösartige Erkrankungen). Dieses ist besonders wichtig, weil sich bei „ALS-ähnlichen“ Krankheiten evtl. therapeutische Konsequenzen ergeben können.
Wichtig sind elektrophysiologische Untersuchungen wie die Elektromyographie (EMG) und die Elektroneurographie (ENG), mit der Erkrankungen der peripheren Nerven (motorische Neuropathien) und der Muskulatur nachgewiesen oder ausgeschlossen werden können. Bei der EMG kann durch den Einstich dünner, steriler Nadeln in bestimmten Muskelgruppenn die elektrische Aktivität der entsprechenden Muskeln aufgezeichnet und untersucht werden. Hierbei können Veränderungen der vorgeschalteten Nerven oder aber der Muskulatur selber nachgewiesen werden. Bei der ENG werden ausgewählte Nervenkabel (Ausläufer des zweiten MN) im Bereich der Arme und Beine mit elektrischen Impulsen untersucht. In nur wenigen Fällen ist eine Gewebeentnahme aus einem Muskel (Muskelbiopsie) erforderlich, sie erfolgt insbesondere bei Verdacht auf eine Muskelerkrankung (z.B. Einschlusskörpermyopathie). Die Entnahme der Muskulatur und die mikroskopische Untersuchung des Muskelgewebes sollte spezialisierten Muskelzentren vorbehalten sein und wird in unserer Klinik in einem spezialisiertem Labor als Teil des Muskelzentrums Ruhrgebiet durchgeführt.
Die Nervenbiopsie z.B. aus einem kleinen Hautnerv im Bereich der Wade (N. suralis) kann bei Hinweisen auf bestimmte Erkrankungen der peripheren Nerven (Neuropathie) veranlasst werden. Beide Verfahren werden bei der Diagnostik einer ALS eher selten und nach spezieller Aufklärung im Rahmen einer stationären Diagnostik durchgeführt.
Andere Erkrankungen, die bei der Diagnosefindung ausgeschlossen werden sollten, sind neben Myopathien und Neuropathien beispielsweise mechanische Beeinträchtigungen des Rückenmarks (z.B. zervikale Myelopathie), seltene Stoffwechselstörungen mit Veränderungen der sog. weißen Substanz des Gehirnes (Leukencephalopathien), neurologische Folgeerkrankungen von Tumoren (paraneoplastische Syndrome) und Folgen von Durchblutungsstörungen des Gehirnes oder Rückenmarkes. Es werden daher je nach Fragestellung verschiedenste bildgebende Verfahren (cerebrale und spinale Kernspintomographie = MRT), Blutuntersuchungen sowie die Analyse des Nervenwassers (Liquorpunktion) durchgeführt.