Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine chronische, degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei kommt es zu einer fortschreitenden Zerstörung (Degeneration) spezifischer Nervenzellen des motorischen Nervensystems. Diese relative Spezifität ist auch typisch für andere Neurodegenerative Erkrankungen wie die Parkinsonerkrankung oder die Alzheimer Demenz, nur sind hierbei andere Zellen betroffen.
Bei der ALS sind die sog. Motoneurone (MN) des Gehirnes (erstes MN) und des Rückenmarkes (zweites MN) betroffen, die für die willkürliche Steuerung der Skelettmuskulatur verantwortlich sind.
Der Nervenfortsatz des ersten MN stellt dabei die Verbindung zum zweiten MN dar. Vom zweiten MN im Rückenmark führen lange Nervenfortsätze schließlich zur Muskulatur.
Bei der ALS kommt es zu einer Schädigung beider motorischer Neurone. Diese Schädigung beginnt wahrscheinlich bereits viele Jahre oder Jahrzehnte vor Auftreten der ersten neurologischen Symptome.
Neurologische Symptome sind dabei Muskelschwäche und Muskelschwund (Zeichen einer Schädigung des 2ten MN) sowie eine Steifigkeit (Spastik) der Muskulatur (Zeichen einer Schädigung des 1ten MN). Charakteristisch für die ALS sind also ein Muskelschwund mit Muskelschwäche bei gleichzeitig bestehender Spastik mit Reflexsteigerung bzw. erhaltenen Muskeleigenreflexen in paretischen Muskelgruppen. Diese Befundkonstellation ist in der klinisch neurologischen Untersuchung objektivierbar und wesentliche Grundlage für die Verdachtsdiagnose einer ALS.
Kleine, unwillkürliche und kurzzeitige Bewegungen innerhalb von Muskelgruppen (Faszikulationen) ohne Bewegungseffekt auf ein Gelenk treten zwar typischerweise bei Patienten mit einer ALS auf. Allerdings findet man Faszikulationen viel häufiger bei einer ganzen Reihe von sehr unterschiedlichen neurologischen Erkrankungen und auch bei gesunden Personen. Die Verdachtsdiagnose einer ALS alleine auf Grund des Auftretens von Faszikulationen ist daher auf keinen Fall gerechtfertigt. Andere klinische Symptome wie Empfindungsstörungen von Berührung, Schmerz und Temperatur (Sensibilität) finden sich bei der ALS in der Regel nicht und können Hinweis auf eine andere Diagnose oder eine zusätzliche Erkrankung (z.B. Diabetes mellitus mit Polyneuropathie) sein.