Link: Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil Home | Suchen | Kontakt
germanenglish Printversion
       
Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie
Direktor: Prof. Dr. J. Strauch

Perioperative Vorhofablation bei Vorhofflimmern

Informationen für den weiterbehandelnden Arzt

 

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

der/die Ihnen zugewiesene Patient/in wurde im Rahmen der erfolgten Herzoperation bei präoperativ bestehendem Vorhofflimmern intraoperativ vorhofabladiert. Ziel dieser Behandlung ist die thermische Schädigung (Ablation) von ektopen Reizleitungsbahnen auf Vorhofebene bzw. im Bereich der Pulmonalvenenmündung, die für das Vorhofflimmern ursächlich sind.

Abb. 1: Ablationsmodalitäten

Endo-epikardiale Ablation
Endo-epikardiale Ablation
Epikardiale Ablation
Epikardiale Ablation

Ablationsverfahren:

Im Rahmen moderner Ablationsverfahren werden durch thermische Ener-gie (Radiofrequenz- bzw. Kryoablation) endo-epikardial (nach Eröffnen des Vorhofes) oder epikardial (Vorhof nicht eröffnet) kontinuierlich über einen definierten Zeitraum abgegeben. Vor-teil dieser Verfahren stellt die präzise Steuerbarkeit der Gewebeeindringtiefe mit gezielter transmuraler Verödung der ektopen Reizleitungsbahnen dar. Die atriale Kontraktilität bleibt dabei unbeeinträchtigt.

Abb. 2: Ablationssysteme (Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil)

Kryo-Ablator: AtriCure Isolator
Kryo-Ablator: AtriCure Isolator
Radiofrequenzablator: Cardioblate® BP2
Radiofrequenzablator: Cardioblate® BP2
Intraatriale Ablationslinien im Sinne einer Box-Läsion*
Intraatriale Ablationslinien im Sinne einer Box-Läsion*

*Nach Voeller et al. Isolating the entire posterior left atrium improves surgical outcomes after the Cox maze procedure, J Thorac Cardiovasc Surg, 04/2008; 135: 870-7


Pathophysiologie:  Durch Energieabgabe kommt es im Zielgebiet zu einer akuten, irreversiblen Zellschädigung mit begleitender Ödembildung. Ektope Reizleitungsbahnen werden entweder direkt geschädigt (Nekrose) oder zeitweilig unterbunden.


Während der ersten postoperativen Tage bildet sich ein Begleitödem des benachbarten Gewebes aus. Durch Ansammlung von freiem Wasser steigt auch die Leitfähigkeit des ödematös veränderten Areals. Dieses erklärt die Tatsache, dass über 50% der Patienten die OP zwar im Sinusrhythmus verlassen,  jedoch am zweiten oder dritten postoperativen Tag erneut ein Vorhofflimmern im EKG aufweisen, das wiederum nach Abklingen des postoperativ kardialen Ödems spontan in einen Si-nusrhythmus konvertiert.
Nach 3 Monaten post operationem bildet sich die eigentliche Ablationsnarbe, die aberrante  Reizleitungsbahnen unterbindet. Je nach Dauer des Vorhofflimmerns, Komorbidität und Vorhofgröße liegt die derzeitige Erfolgsrate der operativen Ablationstherapie zwischen 60-80% weltweit.


Eine Evaluierung des endgültigen Therapieerfolges ist frühestens 3 Monate p.o. möglich!


Begleitende medikamentöse Therapie:
Klinische Studien an repräsentativen Patientenkollektiven mit chronischem Vorhofflimmern haben gezeigt das die unmittelbar postoperative medikamentöse Therapie mit Antiarrhythmika der Vaug-han-Williams-Klassen II (Beta-Blocker) und III (Kalium-Kanalblocker) von großer Bedeutung für die Konversionsrate in einen stabilen Sinusrhythmus, bzw. für dessen Erhalt sind.
In unserer Klinik erfolgt - bei fehlender Kontraindikation (Schilddrüsendysfunktion, Blockbild etc.)- eine Aufsättigung  mit Amiodaron (Cordarex®) innerhalb der ersten postoperativen Stunden (60-80 mg/h). Die initiale i.v. Therapie wird bei Verlegung in den normalstationären Bereich auf oral umge-stellt  (3 x 200 mg Amiodarone p.o.). Vor Entlassung wir der Amiodaron-Spiegel bestimmt (5. POT) und eine Dosisanpassung durchgeführt.
Wurde der Patient bereits präoperativ mit einem Betablocker behandelt, so wird dieser bei suffizien-tem Eigenrhythmus zusätzlich weitergegeben.

Antiarrhythmisches therapeutisches Regime  nach operativer Vorhofablation

OP-Tag – Entlassung von Intermediate Care Station

Amiodaron (Cordarex®)-Perfusor: 60- 80 mg/h i.v.

Normalstation – Entlassung aus der Herzchirurgie

Amiodaron  (Cordarex®):  3 x 200 mg p.o. ±
Beta-Blocker (Bisoprolol, Metoprolol) p.o.

Da der Therapieerfolg der Vorhofablation erst nach 3-6 Monaten bei vollständiger Ausbildung der Ablationsnarbe beurteilbar ist und das erneute Auftreten einer absoluten Arrhythmie durch beta-blockierende bzw. Amiodaron-Therapie deutlich reduziert werden kann, empfehlen wir diese für 3 Monate nach Operation fortzusetzen.

Empfohlene antiarrythmische Therapie für den ambulanten Bereich

3 Monate postoperativ

Amiodaron (Cordarex®):
1x200 mg p.o. an 5 Tagen/Woche ±
Betablocker (Bisoprolol, Metoprolol)p.o.

Bei Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen unter Amiodaron (symptomatische Bradykardie, Lebertosizität, Sehstörungen durch Korneaablagerungen, Photosensibilität, etc.) bitten wir um einen sofortigen Therapieabbruch.

Die postoperative Macumar®-Therapie sollte unabhängig vom zuletzt dokumentierten Thythmus für mindestens 3 Monate fortgeführt werden!

Zur Evaluierung des Therapieerfolges empfehlen wir nach 3 Monaten ein Langzeit EKG!
Ansprechpartner: Dr. P. L. Haldenwang, Tel.: 0234-302-3660