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Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie
Direktor: Prof. Dr. J. Strauch

Leistungsspektrum Herzchirurgie - Klappenchirurgie

Fehler der Herzklappen können angeboren oder erworben (degenerative Verkalkung, rheumatisches Fieber, bakterielle Entzündung, Herzinfarkt) sein. Anhand der Morphologie und Symptomatik unterscheidet man zwischen:

  • Klappenverengung (Stenose)  - das Blut staut sich vor der verengten Klappe
  • Schlussunfähige Klappe (Insuffizienz) – Blutrückstrom bei inkomplettem Schluss
  • Verengter und undichter Klappe (kombinierter Klappenfehler)
Stenose (Schema)
Stenose (Schema)
Stenose (Präparat)
Stenose (Präparat)
Insuffizienz (Schema)
Insuffizienz (Schema)
Insuffiziens (OP-Befund)
Insuffiziens (OP-Befund)

Abb. 1: Klappenpathologie

Die Klappenchirurgie stellt einen der operativen Schwerpunkte am Berufsgenossenschaftlichen Klinikum Bergmannsheil dar. Wir behandeln Patienten aller Altersklassen. Hierbei kommen sowohl etablierte als auch innovative Operationsmethoden zum Einsatz:

  • Der Klappenersatz mit biologischer bzw. mechanischer Prothese
    • Standardverfahren bei degenerativen und entzündlichen  Klappenerkrankungen

  • Die klappenerhaltende Rekonstruktionschirurgie (Mitralklappenrekonstruktion, Rekonstruktion der Aortenklappe nach David).
    • Anwendung: erhaltene Morphologie der Klappentaschen  bzw. –Segel.
    • Vorteile der rekonstruktiven Verfahren: Verbesserte Hämodynamik, fehlende Antikoagulationspflicht, gutes Langzeitergebnis

  • Implantation autologer Transplantate und Spenderklappen (Ross-Operation)
    • Anwendung: jüngeren Patienten, bzw. Frauen mit noch bestehendem Kinderwunsch!

  • Transapikaler Aortenklappenersatz (TAVI) in minimalinvasivem Verfahren ohne Herz-Lungen-Maschinenanschluss
    • Anwendung: Betagte, gebrechliche Patienten mit schwerwiegenden Nebenerkrankungen und hohem operativen Risiko
    • Vorteile: kurze Implantationszeit ohne Anschluss der Herz-Lungen-Maschine, geringer postoperativer Katecholaminbedarf, rasche Rekonvaleszenz.

  • Die "nahtlose" Aortenklappe ("sutureless" Valve)
    • Technik: Bei nahtlos implantierten Aortenklappenprothesen handelt es sich um Bioklappen, die auf ein zusammenrollbares Gestell aufgezogen sind, das sich nach Entfernen einer Schutzhülse ausdehnt und fest in das umliegende Gewebe eindrückt, so dass die Klappe an Ort und Stelle fixiert wird. Die zur Implantation benötigte Zeit beträgt nur wenige Minuten.
    • Anwendung / Vorteile: Durch Zeitersparnis und die vereinfachte Implantation eignen sich diese Klappen besonders bei gleichzeitiger koronarer Revaskularisationspflichtigkeit bzw. bei Operationen mit minimal-invasivem Zugang („Schlüsselloch-Operationen“).

Biologischer Aortenklappenersatz
Biologischer Aortenklappenersatz
Mechanischer Mitralklappenersatz
Mechanischer Mitralklappenersatz
Aortenklappenrekonstruktion
Aortenklappen- rekonstruktion
Nahtlose Aortenklappe
Nahtlose Aortenklappe

Abb. 2: Operativer Klappenersatz vs. Klappenrekonstruktion und nahtlosem Klappenersatz

Minimalinvasive Zugangswege bei Klappenoperationen

Während der klassische operative Zugangsweg für Klappenersatz bzw. -rekonstruktion die mittlere Längssternotomie darstellt, werden am Berufsgenossenschaftlichen Klinikum Bergmannsheil fast ausnahmslos minimalinvasive Zugangswege (Ministernotomie in Z-, bzw. J-Form für Aortenklappeneingriffe; rechtsseitige Minithorakotomie für die Mitralklappenchirurgie) durchgeführt.

 

 

Mediane Sternotomie
Mediane Sternotomie
Obere partielle „J“-Sternotomie
Obere partielle „J“-Sternotomie
Obere partielle „T“-Sternotomie
Obere partielle „T“-Sternotomie
Anterolaterale Minithorakotomie rechts
Anterolaterale Minithorakotomie rechts

Abb. 3: Alternative Zugangswege bei Klappenoperationen

Vorteile dieser teils in videoassistierter „Schlüssellochtechnik“ mit weitgehendem Erhalt der Sternumkontinuität durchgeführten Operationen (Minimal-invasive Chirurgie, MIC) ist eine deutlich kleinere Wundfläche, geringere postoperative Schmerzen, bessere Atemmechanik sowie eine raschere postoperative Rekonvaleszenz mit verkürzter Krankenhausverweildauer.

 

Partielle obere Sternotomie bei Standard-Aortenklappenersatz    (OP-Bild)
Partielle obere Sternotomie bei Standard-Aortenklappenersatz (OP-Bild)
Wunde 3. POT nach partieller oberer Sternotomie
Wunde 3. POT nach partieller oberer Sternotomie
Rechts thorakale Wunde nach minimalinvasiver Mitralklappenchirurgie (8. POT)
Rechts thorakale Wunde nach minimalinvasiver Mitralklappenchirurgie (8. POT)
Linksseitige Minthorakotomie  (TAVI, 3. POT)
Linksseitige Minthorakotomie (TAVI, 3. POT)

Abb. 4: Minimal-invasive Chirurgie (MIC)

Transapikaler Aortenklappenersatz (Transapical Valve Implantation, TAVI)

Eine Innovation im Bereich der Klappeneingriffe stellt die transapikale Aortenklappenimplantation (TAVI) dar. Es handelt sich hierbei um ein minimal invasives Verfahren, das in einem Operationssaal mit hochqualitativer Durchleuchtungsanlage (Hybrid-OP) als interdisziplinärer Therapieansatz zwischen Herzchirurg, Kardiologe und Anästhesist durchgeführt wird.

 

Entfaltete biologische Aortenklappe für TAVI
Entfaltete biologische Aortenklappe für TAVI
Gefaltete TAVI-Klappe vor Einführung über die Herzspitze
Gefaltete TAVI-Klappe vor Einführung über die Herzspitze
Röntgengesteuerte Entfaltung der TAVI-Klappe in Aortenposition
Röntgengesteuerte Entfaltung der TAVI-Klappe in Aortenposition

Abb. 4: Transapikaler Aortenklappenersatz (TAVI) – das Verfahren

Die TAVI-Methode:

Nach Narkoseeinleitung und Lagerung des Patienten erfolgt die Darstellung der Aortenwurzel (Klappenebene) unter Kontrastmittelapplikation via eines über die Leistengefäße eingebrachten Katheters. In einem weiteren Schritt wird über eine linksseitige anterolaterale Minithorakotomie (ca. 10 cm)  eine arterielle Schleuse über die Herzspitze in die linke Herzkammer eingebracht. Mittels eines Ballon-Katheters erfolgt sodann unter Durchleuchtung die Sprengung der nativen, verkalkten Aortenklappe. Die neue biologische Aortenklappe wird im Anschluss unter zeitweiligem induzierten Kammerflimmern über Herzspitze Röntgen- bzw. ultraschallgesteuert  implantiert.

 

TAVI-Klappe und Ballon Katheter vor Implantation
TAVI-Klappe und Ballon Katheter vor Implantation
Unter Durchleuchtung entfaltete Klappe in Aortenposition
Unter Durchleuchtung entfaltete Klappe in Aortenposition

Abb. 5: Transapikaler Aortenklappenersatz (TAVI) – Qualitätskontrolle

Diese TAVI-Methode ist mit einem erhöhten perioperativen Risiko behaftet, stellt jedoch insbesondere für ältere, polymorbide Patienten mit bereits erfolgten herzchirurgischen Eingriffen die schonendere Behandlungsstrategie dar. Aus diesem Grunde führen wir am Berufsgenossenschaftlichen Klinikum Bergmannsheil eine genaue Indikationsprüfung vor anstehender TAVI-Operation durch:

Welcher Patient kommt wirklich in Frage, auf wen ist die neue Methode zugeschnitten?

  • Patienten mit deutlich fortgeschrittenem Patientenalter (derzeit 75 J. und älter)
  • Patienten mit kardialer Voroperation und reduzierter LV-Funktion
  • Patienten mit deutlich erhöhtem EURO Score (numeric >8, logistic >18%)
  • Patienten mit Kontraindikationen für die Verwendung der Herz-Lungenmaschine
  • Patienten mit hochgradig eingeschränkter Lungenfunktion

Welche technischen Gegebenheiten / Voraussetzungen sollte der Patient mitbringen?

  • Weite des Aortenanulus sollte zwischen 19 - 26mm betragen (ECHO)
  • Abstand zwischen Koronarostien und Aortenanulus sollte > 8mm betragen
  • Kalzifikationen auf den Klappentaschen sollten Höhenniveau der Koronarostien nicht erreichen
  • Porzellan-Aorta ist Indikation zum transapikalen Aortenklappenersatz
  • Begleitende koronare Herzerkrankung sollte behandelt sein

Welche Untersuchungen sind Vorfeld eines transapikalen Aortenklappenersatzes erforderlich?

  • Herzkatheteruntersuchung
  • Echokardiographie
  • (ggfs. Computertomographie des Thorax und der Becken-Leistenetage)

Fragen und Anmeldungen zur TAVI: Dr. P. L. Haldenwang Tel: 0234/302-3660