Link: Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil Home | Suchen | Kontakt
germanenglish Printversion
   
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Medizinische Klinik II

Direktor: Prof. Dr. A. Mügge

Immunadsorption

Ein Therapieverfahren bei Patienten mit Dilatativer Kardiomypathie (DCM)

Die Dilatative Kardiomyopathie bezeichnet eine Herzmuskelerkrankung, die durch eine zunehmende Vergrößerung (Dilatation) und Einschränkung der Pumpfunktion (systolische Funktion) gekennzeichnet ist. Sie ist mit ca. 35 bis 45 Patienten pro 100.000 Einwohnern eine in den westlichen Industrienationen häufige Erkrankung und neben der Koronaren Herzerkrankung die häufigste Ursache der schweren (terminalen) Herzinsuffizienz.
Trotz der Weiterentwicklungen in der medikamentösen Therapie ist die DCM eine schwerwiegende Erkrankung und nicht selten macht sie eine Herztransplantation oder die Implantation eines Kunstherzens (Assist-Device) erforderlich.

Die genauen Ursachen und die Entstehung einer DCM sind noch nicht in allen Einzelheiten geklärt und daher Gegenstand der Forschung. Aus Herzmuskelproben (Myokardbiopsien) weiß man aber, dass sich bei DCM-Patienten vermehrt Entzündungsreaktionen im Herzen nachweisen lassen, weswegen man auch von einer inflammatorischen DCM (DCMi) spricht. An diesen Entzündungsprozessen sind sowohl das menschliche zelluläre und das auch das so genannte humorale Immunsystem beteiligt. Dieser Prozeß spielt bei der Herzmuskelschwäche eine entscheidende Rolle. Antikörper sind ein wesentlicher Teil des humoralen Immunsystems. So lassen sich in Patientenseren Antikörper nachweisen, die sich gegen eigene, das Herz betreffende Strukturen richten (Autoantikörper). Von diesen Antikörpern wiederum weiss man, dass Sie langfristig und kontinuierlich eine schädigende Wirkung auf das Herz haben können.
Die Immunadsorption ist ein Blutwäscheverfahren das zum Ziel hat, diese Antikörper aus dem Blut zu entfernen um so die schädigende Wirkung des eigenen Immunsystems auf das Herz zu stoppen. Die Immunadsorption zur Entfernung von Autoantikörpern wurde bereits bei einer Reihe von Autoimmunerkrankungen erfolgreich eingesetzt wie beipielsweise der Rheumatoiden Arthritis, der Myasthenia gravis und bei Abstoßungsreaktionen. Seit einigen Jahren wird diese Therapieform, auch in der Kardiologie bei der DCM erfolgreich angewandt. Die Klinik für Kardiologie und Angiologie am Bergmannsheil Bochum bietet diese Therapie seit Ende 2006 an. Bei einem Teil der Patienten gelang es damit die Pumpkraft und oder die Herzgröße entgegen dem natürlichen Krankheitsverlauf zu stabilisieren, bei einem weiteren Teil der Patienten gelang es dieses Parameter postiv zu beeinflussen und langfristig. Diese Therapie ersetzt keine medikamentöse Therapie und ist unabhängig von einem Herzschrittmacher oder Defibrillator (AICD).

Für wen kommt dieses Therapie in Frage?

  • Patienten mit einer Herzinsuffizienz NYHA III bis IV
  • mindestens mittelgradig eingeschränkte systolische Funktion (LV EF ? 35%)
  • wenn nach mindestens 2 Monaten einer medikamentösen Herzinsuffizenztherapie keine wesentliche klinische / echokardiographische Verbesserung eingetreten ist
  • wenn eine KHK, hypertensive Herzerkrankung und eine primäre DCM ausgeschlossen wurden

Wie wird die Immunadsorption durchgeführt?

Über einen Dialysekatheter in einer großen Vene wird kontinuierlich das Patientenblut von einer Blutpumpe aufgenommen. Diese leitet es weiter an eine Zentrifuge, die die zellulären Blutbestandteile von dem Rest (Serum) trennt. Das Serum durchläuft dann eine Filtersäule, die mit einer speziellen Substanz dem Protein A beschichtet ist. Dieses Protein A ist aus Bakterien gewonnen und bindet Antikörper aus dem Blutplasma. Anschließend werden das gereinigte Blutplasma und die Blutzellbestandteile wieder vereint und dem Patienten als Vollblut zurückgegeben. Die Therapie besteht aus 5 Behandlungstagen zu je ca. 6 Stunden Behandlungszeit. Eine Wiederholung der Therapie ist nicht erforderlich kann aber im Einzelfall nach Monaten durchgeführt werden. Alle Patienten sind während und nach der Therapie für 12 Monate in ein Nachuntersuchungsprogramm eingeschlossen mit Ambulanzterminen einen, drei, sechs und zwölf Monate nach Therapie zur Verlaufskontrolle.
Die Behandlung kann nur stationär erfolgen. Ein typischer Behandlungsablauf sieht dazu eine vorstationäre Aufnahme an einem Freitag vor. Der eigentliche stationäre Aufenthalt beginnt am nächsten Tag abends. Am Sonntag erfolgt die Anlage eines Dialysekatheters. In der Zeit von Montag bis Freitag erfolgt die Immunadsorptionstherapie. Am Freitag wird  aus Gründen des Infektionsschutzes eine Infusion von Immunglobulinen gegeben. Die folgenden zwei Tage dienen der Nachbeobachtung.

Wann kann eine Immunadsorption nicht durchgeführt werden?

  • wenn eine aktive Infektion vorliegt mit Erhöhung der Entzündungsparameter (Leukozyten, CRP)
  • Bei schweren Störungen der Blutgerinnung
  • Bei Frauen während der Schwangerschaft


Kontaktdaten:

Dr. Michael Scheeler
Medizinische Klinik II, Kardiologie und Angiologie
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil
Tel.: 0234-302 3467